Depressionen treten immer häufiger auf – keiner ist davon gefeit, weder Mann noch Frau, auch wenn für viele eine Depression noch als reine Frauenkrankheit gilt. In Wahrheit sind Männer genauso häufig davon betroffen wie Frauen. Wenn Männer an Depressionen leiden, zeigen sie Symptome wie Niedergeschlagenheit und Reizbarkeit. Tatsächlich äußern sich Depressionen bei Männern zwar ähnlich, es gibt aber auch einige deutliche Unterscheidungsmerkmale.

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Die Symptome einer Depression können bei Frauen und Männern oftmals sehr unterschiedlich sein.

Depressionen beim Mann – die Unterschiede zur Frau

Frauen leiden, wenn sie depressiv sind, zumeist still vor sich hin und suchen Hilfe. Bei Männern hingegen läuft das etwas anders ab. Sie zeigen weniger hilfesuchendes Verhalten und neigen eher dazu, diese Erkrankung zu verschweigen. Sie führen die Probleme, die sie haben, meistens schlichtweg auf Stress zurück und kommen deswegen nicht auf die Idee, dass sich dahinter eine Depression verbergen könnte. Auch Schlafprobleme oder eine erhöhte Erschöpfbarkeit, welche die ersten Erkennungsmerkmale einer Depression sein können, werden nicht erkannt oder verdrängt (1).

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Depressionen zeigen sich beim Mann häufig durch Erschöpfung und Schlaflosigkeit.

Männer verspüren zwar die gleiche innere Anspannung wie Frauen, oftmals wird aber versucht, diese Anspannung durch Aggressivität zu überspielen. Sie lassen sich bewusst keine Zeit, um innezuhalten oder um eine Pause einzulegen. Depressive Männer halten durch, machen so weiter wie bisher und scheinen nach außen hin ständig unter Strom zu stehen und arbeitssüchtig zu sein.

Diese Überbelastung kompensieren sie mit Aggressivität, was dafür sorgen kann, dass ein ansonsten sehr ausgeglichener und ruhiger Mann ein vermehrt aggressives Verhalten zeigt. Später dann kann es vorkommen, dass depressive Männer ihre Aggression nicht nur gegen andere, sondern auch gegen sich selbst richten. Dies zeigt sich dann möglicherweise unter erhöhtem Alkoholkonsum oder exzessivem Rauchen.

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Depressionen beim Mann können einen erhöhten Alkohol- und Nikotinkonsum bewirken.

Wie zeigt sich eine Depression beim Mann?

Im Gegensatz zur Frau wird der Mann nicht traurig sein und das Interesse an allem verlieren, sondern ganz im Gegenteil noch mehr arbeiten, noch mehr Sport treiben und vielleicht noch mehr Zeit vor dem Computer oder dem Fernseher verbringen. Er wird möglicherweise mehr Alkohol trinken und rauchen und noch weniger reden als zuvor. Manche Männer spüren durchaus, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, sind aber nicht in der Lage, über diese inneren Konflikt zu reden. Genau das macht es so schwierig, die Depressionen überhaupt als solche zu erkennen und zu diagnostizieren.

Warum gibt es überhaupt Unterschiede?

Dass es Unterschiede gibt, hat eigentlich einen ganz einfachen Grund: Noch immer passt es nicht in das Rollenverständnis eines Mannes, zugeben zu müssen, dass man unter Depressionen leidet. Stress, das geben die meisten gerne zu, denn Stress hat keinen derart negativen Beigeschmack. Bei Burnout wird es dann schon etwas schwieriger und Depressionen – wer gibt schon gerne zu, dass er darunter leidet? Hinzu kommt, das manche Männer dazu neigen, die Gründe woanders zu suchen: Bei der Frau zum Beispiel, beim Arbeitgeber, beim Chef oder bei den Kindern.

Frauen ziehen sich im Fall einer Depression eher in sich zurück und leiden still, während manche Männer dies eher nach außen tragen und die Umgebung regelrecht mitleiden lasen.

Das Problem dabei: Ärzte erkennen oft eine Depression beim Mann nicht sofort. Die Symptome sind anders und werden deshalb zuerst gar nicht mit einer Depression in Verbindung gebracht.

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Viele Männer halten noch an dem typischen Rollenverständis fest, weshalb oftmals Gefühle und negative Emotionen nicht gezeigt werden.

Neigung zum Suizid

Dieser Unterschied, den es bei Männern und Frauen ganz offensichtlich gibt, kann fatal enden. Depressive Männer sind besonders anfällig für Suizid. Immerhin sterben pro Jahr allein in Deutschland etwa 10.000 Menschen an Suizid (2), wovon 2/3 männlich sind. Und eine erhebliche Anzahl davon hatte zuvor Anzeichen einer Depression.

Aber warum sind für Männer Depressionen so gefährlich? Wie kommt es zu der erhöhten Suizidgefahr im Zusammenhang mit einer Depression?

Männer haben Probleme damit, dass ihr Selbstbild durch einen Depression geschädigt wird. Eine Depression wird häufig in Zusammenhang gebracht mit verminderter Arbeitsfähigkeit, mit Scheitern oder Verlustangst.

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Suizid aufgrund von Depressionen kommt auch bei Männern nicht selten vor.

Wie kommt es überhaupt zu Depressionen?

Eine Depression kommt nicht einfach so. Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Depression begünstigen, das weiß man heute. Zu den Faktoren (3), die eine Depression wahrscheinlicher machen, gehören:

  • Genetische Veranlagung
  • Traumen
  • Neurobiologische Störungen
  • Persönlichkeitsfaktoren
  • Belastungen
  • Kränkungen
  • Verlusterlebnisse etc.

Darüber hinaus gibt es auch akute Auslöser für Depressionen, nämlich besonders belastende Ereignisse oder Überforderungssituationen im Job oder im Privatleben. Depressionen zählen zu den folgenreichsten Störungen der Psyche, in Deutschland sind 8% aller Erwachsenen (4) davon betroffen.

Man geht sogar davon aus, dass der Grundstein für Depressionen häufig bereist in de Kindheit gelegt wird. Denn gerade Jungen werden oft nicht dazu ermutigt, über ihre Gefühle zu sprechen oder gar zu weinen. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, das ist ein ganz simples Beispiel dafür. Im Gegenteil ist es sogar häufig so, dass Jungen dazu ermutigt werden, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Wer seine Emotionen unter Kontrolle hat, zeigt als Mann Stärke und Überlegenheit. Hinzu kommt der von Natur an höhere Testosteronspiegel, der dafür verantwortlich ist, dass Männer zu mehr Aggressivität und Dominanzstreben neigen. Sie reden nicht lange herum, sondern handeln.

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Bereits im Kindesalter wird Jungen oftmals vermittelt, keine Gefühle zu zeigen.

Was tun bei Anzeichen einer Depression?

Wenn ein Mann an sich Anzeichen einer Depression feststellt, wenn er merkt, dass sich seine Gedanken und Gefühle negativ verändern, sollte er dies nicht verdrängen sondern die Warnsignale ernst nehmen. Das gilt im Übrigen auch für Angehörige, Familie und Freunde des Betroffenen – denn genau diese bekommen diese Veränderungen häufig als erstes zu spüren.

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern: Männer tun sich deutlich schwerer damit, den Beschluss zu fassen, sich behandeln zu lassen bzw. professionelle Hilfe zu suchen. Bevor sie zu einem Psychotherapeut gehen, suchen sie sich lieber einen Coach. Aber gerade weil eine Depression beim Mann gefährlich werden kann, ist es wichtig, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen. Weil Männer dies allerdings häufig gar nicht wollen, ist es für Angehörige nicht leicht, hier zu helfen. Zuerst einmal sollten sie verstehen, dass hinter dem Verhalten kein böser Wille, sondern ernsthafte Probleme stecken.

In der letzten Zeit wurde hier vermehrt eine personalisierte Therapie angestrebt, das heißt, dass Männer dabei nicht etwa von außen gelenkt werden, sondern von selbst auf die Lösung kommen sollen. Psychotherapeuten setzen hier heute auf die so genannte narrative Therapie oder auf die EMDR Methode (5).

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Besonders für Familie und Freunde ist es wichtig, den Betroffenen Trost zu spenden.

Erfahrungen haben gezeigt, dass man alleine aus der Depression meistens nicht wieder herauskommt. Erst recht also ein Grund, sich bei den ersten Anzeichen professionelle Hilfe zu suchen.

Fest steht aber, das Depressionen beim Mann immer mehr zu nehmen und immer häufiger auftreten. Woran das korrekt liegt – an erhöhter Arbeitsbelastung, höherer Stressanfälligkeit oder an anderen Gründen, ist schwierig zu sagen.

Julian M.
Autor

Herzlich Willkommen auf unserem Informationsportal für Männergesundheit und schön, dass Sie zu uns gefunden haben. Mein Name ist Julian M. und ich bin leitender Redakteur auf manngesundheit.de. Neben meiner langjährigen Erfahrung im pharmazeutischen Bereich habe ich durch Recherche meine Kenntnisse rund um Erektion, Testosteron und Potenzbeschwerden fundieren können. Um mein Wissen zu teilen, haben wir diesen Ratgeber ins Leben gerufen. Sonnige Grüße und eine beschwerdefreie Zeit wünscht die gesamte Redaktion.

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